Zerfall des Papiers
Vom Zerfall des Papiers
Papier ist ein aus organischen
Fasern bestehendes Vlies. Auf einem Sieb werden die in Wasser aufgeschwemmten
Fasern zu einem Blatt geformt und durch anschließendes Pressen und Trocknen
zu einem Faserfilz verdichtet. Die Auswahl der Fasern, Leime und anderer
Füllstoffe verändern die Eigenschaften des Papiers und ermöglichen
dessen Einsatz von der Filtertüte bis hin zum Isolator bei elektrischen
Anlagen.
Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurden Papiere handwerklich und aus
zerstampften Lumpen (Hadern) hergestellt. Die älteste nachgewiesene
"deutsche" Papiermühle stand 1390 vor den Toren Nürnbergs. Um die
Papiere beschreibbar zu machen, wurden sie nach dem Trocknen mit einem stark
verdünnten tierischen Leim bestrichen.
Schon früh wurden Ersatzstoffe für Hadern gesucht, da die geringen
Mengen geeigneter Lumpen nicht den stetig steigenden Bedarf decken konnten. Es
wurden Verfahren entwickelt, aus Holz Fasern zu gewinnen, die zur
Papierproduktion geeignet waren. Solche Papiere werden seit etwa Mitte des 19.
Jahrhunderts in größeren Mengen verwendet. Die Papiere waren jedoch
sauer (pH-Wert unter 7).
Die Alterung des organischen Materials Papier vollzieht sich hauptsächlich
durch zwei Prozesse: einerseits durch Oxidation, bei der sich sauere
Molekülgruppen bilden, andererseits durch die Säure benötigende
Hydrolyse. Die Molekülketten zerbrechen, der pH-Wert sinkt immer weiter ab
und das Papier wird zusehends gelblicher und spröder. Diese normalerweise
sehr langsamen Prozesse gehen bei sauer produzierten Papieren wesentlich
schneller vor sich (Zeitungspapier).
Sichtbares Licht, UV- und Infrarotstrahlung beschleunigen als Energielieferanten
die chemischen Abbauprozesse. Sind saure Papiere ungünstigen
Umweltbedingungen ausgesetzt, altern sie sichtbar schneller als neutral
produzierte Papiere oder solche mit einer alkalischen Reserve.